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Bauvorhaben gescheitert – SSV Calmbach findet nicht die notwendige Unterstützung seiner Mitglieder

Die 56. Jahreshauptversammlung des Sportschützenvereins Calmbach stand dieses Jahr unter besonderen Vorzeichen: Schon im Einladungsschreiben wurden die Mitglieder über die Wichtigkeit der Versammlung informiert. Unter Punkt 9 war zu lesen, dass das Bauvorhaben zur Errichtung einer Bogen- und Luftdruckhalle vorgestellt und zur Abstimmung gebracht werden sollte. Bei erfolgreichem Votum wäre eine notwendige Erhöhung der Mitgliedsbeiträge die logische Konsequenz. Allein diese beiden Tagesordnungspunkte sollten die Relevanz der Generalversammlung unterstreichen und auf eine rege Teilnahme unter den Vereinsmitgliedern hoffen lassen. Leider hat sah die Wirklichkeit am vergangenen Freitagabend anders aus. Lediglich 35 Vereinsmitglieder haben den Weg ins Calmbacher Clubhaus gefunden und damit die Hoffnung der Vorstandschaft auf ein volles Haus und damit verbunden auch auf ein großes Interesse für das Bauvorhaben nicht bestätigt.

JHV 2016

Vereinsvorstand Oliver Gall war die Enttäuschung anzusehen, als der die Veranstaltung mit der Begrüßung der anwesenden Mitglieder und Gäste eröffnete, um danach der verstorbenen Vereinsmitglieder zu gedenken. Im Bericht des Oberschützenmeisters zeigte Gall die Mitgliederentwicklung des Vereins auf, die gegenüber dem Vorjahr einen leichten Zuwachs verzeichnen konnte. Mit aktuell 192 Mitgliedern konnte der Mitgliederstand von 190 Mitgliedern im Vorjahr geringfügig gesteigert werden, was vor allem auf die erfolgreiche Vereinsarbeit der Bogenabteilung zurück zu führen ist. Im Vergleich zu den anderen Schützenvereinen im Landkreis Calw beschreibe der leichte Anstieg einen gegenläufigen Trend, da die meisten Schützenvereine im Landkreis rückläufige Mitgliederzahlen verzeichnen mussten. Was die Größe der Schützenvereine betrifft, ist der Calmbacher Sportschützenverein nach Ebhausen der zweitgrößte Schützenverein im Schützenkreis Calw. Allerdings gibt es inzwischen keinen Verein mehr im Schützenkreis mit über 200 Mitgliedern. Was jedoch die Altersstruktur des Vereins anbelangt, sei besonders bedauerlich, dass der SSV Calmbach nicht einmal mehr zehn Mitglieder unter 21 Jahren verzeichnete. Ohne die erfolgreiche Nachwuchsarbeit in der Bogenabteilung, stehe es um die Jugendarbeit im Verein schlecht bestellt. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass nach dem Ausscheiden der bisherigen Jugendleiterin im vergangenen Jahr, keine Nachfolge für das Amt des Jugendleiters gefunden werden konnte. In Sachen Jugendarbeit wies Gall daraufhin, dass auch der SSV Calmbach am Präventionskonzept zum Bundeskinderschutzgesetz teilnimmt. Damit will der Verein sicherstellen, dass keine ehrenamtlich tätige Person, die wegen einer einschlägigen Straftat rechtskräftig verurteilt worden ist, oder ein entsprechendes Verfahren gegen sie anhängig ist, Kinder oder Jugendliche beaufsichtigen, betreuen oder ausbilden darf.

Der weitere Bericht des Vereinsvorstands bezog sich auf das vergangene Vereinsjahr und die damit verbundenen Veranstaltungen. In diesem Zusammenhang erwähnte Gall u.a. die in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal durchgeführte Fackel-Hoggetse. Zu den weiteren besonderen Ereignissen zählten die Ausrichtung der Kreismeisterschaften der Bogenschützen in der Enztalhalle oder die Proklamation der Schützenkönige und Ritter, die auch dieses Jahr wieder zusammen mit der Weihnachtsfeier im Schützenhaus ausgerichtet wurde. Erstmalig wurde dieses Jahr eine Vereinsolympiade durchgeführt, die den Zusammenhalt der sportlichen Abteilungen fördern und ein besseres gegenseitiges Verständnis für die Sportart des jeweils anderen schaffen sollte.

Im darauf folgenden Bericht von Thomas Seyfried wurde die Arbeit des Schriftführers des vergangenen Jahres zusammengefasst. Dabei wurde betont, dass sich die Frequenz und Dauer der Vorstandssitzungen im vergangenen Jahr aufgrund des Bauvorhabens signifikant erhöht haben.

Schützenmeister und zweiter Vorstand Erich Schwabenland fasste die sportliche Situation des vergangenen Jahres zusammen. Dabei musste festgestellt werden, dass die Teilnahme an den Vereinsmeisterschaften und am Königsschießen deutlich geringer ausgefallen ist, als in den Jahren zuvor.

Abteilungsleiter der Bogenabteilung, Hans-Dieter Günthner, fasste das Sportjahr aus Sicht der Bogenschützen zusammen und referierte dabei über die Veranstaltungen, bei denen sich die Bogenabteilung besonders hervor getan hatte, wie etwa die Teilnahme am Kinderferienprogramm, die Ausrichtung der Kreismeisterschaften sowie die erfolgreiche Teilnahme an den Bezirksmeisterschaften.

Kassiererin Ute Kirchherr konnte ebenfalls mit positiven Ergebnissen aufwarten. Die zahlreichen Veranstaltungen des vergangenen Jahres haben dem Verein gute Umsätze beschert. Allerdings haben verschiedene Investitionsbeträge in Vorbereitung auf das Bauvorhaben mehr gekostet, als der Verein einnehmen konnte und damit die Jahresbilanz leicht ins Minus gezogen. Sprecher der Kassenprüfer, Rüdiger Kassen, konnte allerdings auch in diesem Jahr wieder der Kassiererin ein tadelloses Arbeitszeugnis ausstellen.

Damit endeten auch die Funktionärsberichte. Nach der Entlastung der Vorstandschaft führte Gall durch die Planungen für das Bauvorhaben. Dabei stellte er die baulichen Veränderungen am Gebäude, die Finanzierung sowie die Arbeiten, die auf den Verein zukommen, vor. Dabei warb Gall um die Stimmen der Mitglieder für das Bauvorhaben. Er hob die Notwendigkeit einer Schießhalle mit elektronischen Schießbahnen hervor, die der Verein unternehmen müsse, um eine sportliche Infrastruktur anbieten zu können, die auf Höhe der Zeit ist und die auch bereits in allen anderen Schützenhäusern im Landkreis Einzug gehalten hat. Allerdings ist mit dem Bauvorhaben auch eine Darlehensaufnahme von ca. 80.000€ verbunden, die den Verein auf die nächsten 25 Jahre verpflichtet. Die 230.000€ Gesamtkosten sollten neben der Darlehensaufnahme über Zuschüsse des Verbandes und der Stadt, Eigenmittel, Spenden und Eigenleistungen beim Bau mit geschätzten 5.000 Arbeits- und Maschinenstunden getragen werden. Bei erfolgreichem Votum für das Bauvorhaben müsste der Verein allerdings die Mitgliedsbeiträge in nicht unerheblichem Maße bis zu 50% anheben, um eine solide Tilgung des Darlehens gewährleisten zu können.

Nach der äußerst transparenten Darlegung sämtlicher Fakten und der damit verbundenen, notwendigen Konsequenzen, entstand eine rege Diskussion um das Für und Wider des Bauvorhabens. Der ehemalige Vereinsvorstand und derzeitiger  Abteilungsleiter Pistole, Gerhard Riedel, mahnte die Folgen für den Schießbetrieb, die während der Bauzeit entstehen können. Neben einer temporären Vollsperrung einzelner Schießstände sieht er die Zukunft des Schwarzpulverschießens ohne zusätzliche Investitionen in Belüftungsanlagen mittelfristig in Frage gestellt. Fast alle   anwesenden Mitglieder erkannten die Notwendigkeit der Baumaßnahmen. Allerdings wurde auch schnell klar, dass eine Realisierung des Vorhabens eine schwere Bürde für die nächsten Jahre mit sich bringen würde. Die geringe Teilnahme an der Generalversammlung wurde allgemein als schlechte Voraussetzung für ein positives Votum gedeutet. Ein Mitglied der Bogenabteilung erkundigte sich nach der aktuellen Teilnahme an Arbeitseinsätzen und sah dabei die erforderliche Belastung der einzelnen Mitglieder mit 5.000 Bauarbeitsstunden sehr skeptisch. Den anwesenden Mitgliedern wurde im Lauf der Diskussionen deutlich, dass sich das Interesse am Bauvorhaben der nicht erschienenen Schützenkameraden in Grenzen halten musste und somit eine Anstrengung in dieser Größenordnung für den Verein und seine Altersstruktur nicht realisierbar sei. Die anschließende Abstimmung fiel mit nur zwölf Ja-Stimmen, zwölf Enthaltungen und neun Gegenstimmen entsprechend aus und verfehlte damit die notwendige einfache Mehrheit für das Bauvorhaben. Vorstand Gall zeigte sich enttäuscht aber auch bestätigt, dass mit einem insgesamt geringen Interesse keine Legitimation der Gesamtzahl der Vereinsmitglieder vorhanden und ein Neubau dementsprechend auch nicht machbar sei.

Damit begann der dritte Abschnitt des bereits weit fortgeschrittenen Abends. Bei der Wahl der Vorstandsmitglieder für die kommende Amtszeit wurden auch in diesem Jahr wieder sämtliche zu wählende Vorstandsmitglieder einstimmig in ihren Ämtern bestätigt: Erich Schwabenland als Schützenmeister, Thomas Seyfried als Schriftführer, Katrin Seyfried und Stefan Gauß als Beisitzer, sowie Gerhard Riedel, Felix Schwabenland, Andreas Kröner und Hans-Dieter Günthner als Abteilungsleiter der jeweiligen Disziplinen. Ein Wermutstropfen blieb jedoch, da sich für die Position des Jugendleiters keinen der Anwesenden finden ließ. Damit wurde die Stelle des Jugendleiters bis aus weiteres vakant gestellt. Vorstand Gall kündigte dabei an, nicht bis zur nächsten Jahreshauptversammlung mit der Besetzung des Postens warten zu wollen, sondern sich in den nächsten Wochen zu bemühen, den Jugendleiterposten zumindest kommissarisch zu besetzen.

Auch in diesem Jahr stand die Ehrung von verdienten Mitgliedern, die für ihre langjährige Vereinszugehörigkeit geehrt werden sollten, als weiterer Tagesordnungspunkt auf der Agenda. Oliver Gall, dem als Vereinsvorstand die Durchführung der Ehrungen obliegt, ehrte hierbei Werner Eichberger, Heinz Dieterle, Heinz Engel, Gerhard Kelp, Georg Pauly und Werner Bredenhagen für ihre 25 jährige Vereinszugehörigkeit mit der Ehrennadel des DSB und WSV in Silber. Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurden Jürgen Kübler und Werner Seyfried mit der Ehrennadel des DSB und WSV in Gold geehrt. Für 50 jährige Mitgliedschaft wurden Werner Haug, Wolfgang John, Annemarie Rothfuß und Werner Wegner mit der Ehrennadel in Gold des DSB und WSV geehrt. Darüber hinaus gab Gall bekannt, dass die bereits für 50 Jahre Vereinszugehörigkeit Geehrten, nun auch mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Verein bedacht werden.  Leider konnten nur Wolfgang John, Jürgen Kübler, Georg Pauly und Werner Bredenhagen ihre Ehrung persönlich entgegennehmen.  Die anderen zu Ehrenden mussten leider in Abwesenheit geehrt werden.

Da keine zusätzlichen Anträge eingegangen waren, konnte der offizielle Teil der Jahreshauptversammlung 2015 nach etwa drei Stunden zum Abschluss gebracht werden.